Schlagworte: Sozialromantik

Quo Vadis Sankt Pauli? #Rassismus und #Sexismus im eigenen Block. Schlimm! – und nu?

Ich habe mich ja schon in einem Kommentar zu meinem Kommentar zum Ingolstadt-Spiel bei allen bayrischen St. Paulianer_innen entschuldigt, dass ich laut darüber nachgedacht habe, dass gerade in der bayrischen Provinz allerlei Gestalten in unserem Block rummachen, die so gar nicht “St. Pauli like” sind. Inzwischen, nach ein wenig Nachdenken, meine ich auch gar nicht mehr, dass wir mit den “St. Pauli Sympathisanten” in unserem Block ausgerechnet in Bayern mehr Ärger haben, als am Millerntor, in einem Gästeblock fällt es nur mehr auf.

Im Gästeblock ganz gute Stimmung und wenn mal nicht, dann sorgte T. Als Vorsänger mit einer persönlichen Ansprache der Marke Blick-Zeichen-Klarmachen für’s Mitmachen. Nur was bitte hatte sich da teilweise für Volk versammelt? Neben einem nicht ganz unbekannten Fanclub gab es von irgendwelchen Rassistenschweinen wirklich Affenlaute gegen einen farbigen Spieler von Ingolstadt. Die sofort eingeleitete Selbsthilfe wäre beinah noch in einem Konflikt mit den Ordnungshütern geendet. Das ist das doofe, wenn man solchen Typen das gibt, was die verdienen, nämlich ohne weitere Vorwarnung Fresse dick, dann bekommt man noch den Ärger und nicht diese Dummheit auf zwei Beinen. Zum Glück machten sich wenigstens Leute gerade, auch wenn die Freunde des Idioten natürlich wieder die „Ich bin kein Rassist, aber…“ Verteidigung zum Besten gab. Idioten. Auch aus anderen Bereichen hörte man ganz üble Geschichten (Arschlochrufe, Sexismus gegen Frauen etc. etc. etc.) und man muss sich dann doch mal fragen, ob das Versenden von Tickets in aller Herrgottsrichtung so wirklich der richtige Vertriebsweg ist. Eine ausschließliche Abgabe an bekannte Personen sollte wirklich mal überlegt werden. Auch wenn man dann weniger Kohle macht. – lese ich beim magischerFC Blog

Rassistische Rufe, sexistische Anmachen und das in unserem Block, das ist wirklich schlimm. Aber ist das ein Auswärtsproblem? In der Wahrnehmung sicher, also in der Wahrnehmung der meisten von uns (weißen, männlichen Heten – Gegengerade-, Süd- oder Nordsteher). Das stimmt aber nicht ganz. Nur ein Zufall, dass der Pfaffe, der auf der Abendveranstaltung im Ballsaal unwidersprochen homophobe Papst-Statements von sich geben durfte, auch aus Bayern kam? Immerhin war der eingeladen.

Wie kann St. Pauli, und unseren Auswärtsblock sehe ich da, ganz in der Tradition von diplomatischen Vertretungen als unser Territorium an, zu einem Safe Place werden? Geht das überhaupt, solange unser Präsidium diese “Millionen Sympathisanten” als Marketing-Zielgruppe für Tickets, Business und andere Seats oder Anleihen umwirbt, hier aber eine Fanschaft entsteht (Stengersche Sympathisanten), die für nix mehr einsteht, was St. Pauli ausmacht? Und was machen wir, die wir uns den Jolly Rouge auf die Fahnen malen?

Ich habe auch keine leichten Antworten, sondern eigentlich nur Fragen anzubieten.

Im Forum habe ich heute mal wieder die Transphobie-Diskussion mit dem Übersteiger nachgelesen (hatte einen anderen Hintergrund). Diamondback schreibt dort sinngemäß, dass das Millerntor kein Safe Place für Schwule und schwarze Frauen ist, aber auch keiner für Homophobe und Rassisten – Immerhin. Das ist wohl die Basis, die wir uns erarbeitet haben – und nu stellt sich die Frage, wie wir nun weitergehen. Nun auf die Auswärtsfans zu zeigen, greift auf jeden Fall zu kurz (da fasse ich mir an die eigene Nase).

Von einem closed shop, also der Ausgabe von Karten an “ausschließlich bekannte Personen”  halte ich auch nicht viel. Wohl aber von dem Versuch, auswärts sichtbar als schwul, schwarz, weiblich aufzutreten. Vielleicht kriegt man ja unser Präsidium dazu, Kontingente für Minderheiten unter unseren Mitgliedern freizuschaufeln oder die Quotendiskussion wiederzubeleben. Ein Auswärtsblock in Fummel? Oder eine Nord voller PoC, oder eine Gegengerade im Rock? Das wäre mal ein romantisches Statement!

Mit Slogans wie „Wir sind schwule Antifa-Module“ ist der Grundstein für ein St. Pauli, das sich als Fortschreiben der eigenen Geschichte versteht, anstatt nur noch auf sportlichen Erfolg zu setzen und aufgrund dessen Spieler zu beschimpfen, schon mal gelegt. …>

Der lange Atem der Romantik #FCSP

Die Sozialromantik war stark an diesem Tag der Jahreshauptversammlung am Dienstag – und ich bin mir fast sicher, das hat unser Präsidium nicht ganz verstanden, wieso denn nach den vielen Rekordmeldungen sich so eine strukturstarke Opposition bildet.

Auch mir ist, wie Lutz Wöckener es in seinem Podcast beschrieb, aufgefallen, dass die da auf dem Podium immer angefasster und niedergeschlagener wirkten. Beim Lichterkarussel lese ich nun einen Kommentar, dem ich mich gerne anschließe und den ich in diesem Zusammenhang hervorheben möchte. In Sachen Romantik haben wir einen langen Atem:

“Insgesamt würde ich sagen, haben wir Mitglieder uns auf dieser JHV ziemlich ansehnlich präsentiert und deutlich gemacht, wer der Verein ist. Die Zeit, dem Präsidium in die profitmaximierende Parade zu fahren, schien dieses Jahr noch nicht gekommen und dennoch hat sich für mein Empfinden abgezeichnet, dass sich die Mitgliedschaft unseres Vereins nicht mehr allzu lange vom Aufbauen irgendwelcher Sachzwänge in ihren Entscheidungen einschränken lassen wird.

Wie heißt es so schön? “Die Revolution ist eine zarte Pflanze” und so wollen wir sie nicht durch Übermut zerquetschen sondern ihr Zeit geben, ihr Wurzelwerk auszubreiten. (Ich stecke dann mal meine Ersparnisse ins “Pathetische Phrasen-Schwein”) Auch wird die JHV kommen, an der ein Antrag zum Rückbau von Business Seats nicht abgelehnt wird. Vielleicht ja schon nächstes Jahr.”

Quer über alle Kurven – Quo Vadis Sankt Pauli? #profcsp

Hamburg – St. Pauli, 22-3-2011 um 08:15 Uhr

Gegengerade vorm Hells Bells
Gegengerade vorm Hells Bells

St. Pauli ist eine der innovativsten Fanszenen der Welt. Der einzigartige Ruf des Vereines und seiner Anhänger ist in den 80er und 90er Jahren aus dem Nichts geschaffen worden und von der Fanszene begründet worden. St. Pauli war damals Vorreiter und Vorbild vieler neuer Entwicklungen in Deutschland und in der Welt. Und heute? Wie ist eigentlich der Stand? Wie geht es weiter? Quo Vadis Sankt Pauli?

Ich bin naiv. Manchmal komme ich dem einen oder anderen sogar ein wenig Einfältig vor, wenn es um den FC St. Pauli geht. Ich hege eine romantische Beziehung zu einem Fußballverein. Schon eigenwillig.

Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Fußball, was die einen verwirrt, die anderen, die mit dem, was Fans (wie ich einer sein will) geschaffen haben, Geld verdienen sollen, in den Wahnsinn treibt. Ehrlich, ich möchte Gernots Job nicht haben. Nicht in der ersten Bundesliga, nicht jetzt und auch nicht morgen. Der Mann muss nämlich verstehen, was merkwürdige Menschen, wie mich antreibt und es übersetzen, in eine Welt, der ich mich ja zu entziehen versuche und die ich in meinem St. Pauli als Eindringling, als Besatzer wahrnehme. Die Welt des Marktes und der Zwänge, die sich aus Strukturen ergeben, die man Profisport nennt. Gernot, das mutmaße ich, nimmt mich als notwendiges Übel wahr, anstatt mich zu umarmen. Er fühlt sich angegriffen, wenn ich seine Probleme nicht zu den meinigen mache. Und dabei vergißt er vielleicht, weswegen er sich das antut. Ich versuche mal, ihm das zu aufzuzeigen, was für mich der Kern meines Sankt Pauli ist … Weiterlesen

Halloo Präsidium – ein sozialromantischer Anstupser

jolly rouge

Aussitzen kommt gerade schwer aus der Mode. Die analog bewährte Salamitaktik geht unter in der digitalen Öffentlichkeit, wandelt sich in eine sich selbst befeuernde Bewegung. Auch wenn Norbert am Ende über das Aufregen hinaus ist, die Forderungen der Sozialromantiker-Ini beiseite zu schieben wird nicht gelingen. Dafür war die Manifesation aus aktiver Fanschaft und digitaler Fanöffentlichkeit zu bildgewaltig, zu schön rot, Jolie Rouge, das Millerntor, als dass es wegginge oder versickerte.

Spätestens zur JHV kommt das Thema Susis Showbar und Rückbau der Business Seats auf die Tagesordnung. Bei Anrufen einer AOMV noch früher. Verhindern kann man diese Anträge und ihre Wucht nicht durch Aussitzen. Also ist handeln angesagt. Und kommunizieren.

Wesentlich neu am Jolly Rouge ist die Verbindung von etablierter Fanschaft und der nicht-organisierten Fanöffentlichkeit, die man in keinem Gremium findet, sondern hier, auf Facebook und im Stadion. Schwer adressierbar aber hellhörig.

Also Gernot, Bernd, Stephan und Co. – kommuniziert, macht.

Macht aus Kontingenten der Süd und Haupt-BS priviligierte Sitze für weniger Priviligierte. Immer noch besser, nun zu handeln, anstatt es in einer AOMV oder JHV drauf ankommen zu lassen.

Kündigt Susis Loge. Und teilt uns mit, wie sie sich eine Frist zur Übergabe vorstellt.

Lasst Kinder das Bankbanner ummalen, das kostet doch nur ein Lächeln. Bewegt euch, werdet aktiv!

Nach dem Derby ist vor der Revolution

Ich scheine nicht der Einzige zu sein, der sich fragt, wie das mit der Sozialromantik am Millerntor so weitergehen soll.

Jegliche Vermarktungsaktivitäten sind klassischer Natur. Ich halte es deshalb für schwachsinnig an beidem festzuhalten, vielmehr sollten wir uns darum bemühen, möglichst eher gestern denn heute, sowohl Herrn Meeske, als auch die UFA Sports los zu werden, ansonsten werden wird unser Verein mittel- bis langfristig dem Einheitsbrei immer näher kommen, bis er irgendwann in ihm untergeht. Leere frisst Raum.

In einem Interview haben die Sozialromantiker sinngemäß geäußert, dass bisher nur Vereine in der Versenkung verschwunden sind, die den klassischen Vermarktungsweg eingeschlagen haben. Noch nie wurde von irgendeinem Verein probiert, sich dem Spielen der Klaviatur zu verweigern und daraus ein deutliches Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten. Doch genau das ist es doch, was einen Verein attraktiv macht für Sponsoren – und ich bin überzeugt davon, dass man auf diese weise gute Sponsoren finden kann, die auch zu diesem Verein und seinen Fans passen. Es gibt da draußen einige korrekte Unternehmen, die doch letztendlich nur darauf warten, dass sich ihnen eine Werbeplattform bietet, die in ihrer Art nicht dem klassischen Mainstream entspricht, sondern mit der man ein glaubhaft vermitteltes Werteverständnis verbindet.

… und das ist vor allem vor dem Hintergrund zu diskutieren, dass Vereine, die nicht strahlen, wie Hannover 96, unsere Gästekarten anscheinend eher an Sponsoren als an die eigenen Fans verhökern. Diese Info wurde uns von einem H96-Fan zugetragen, der deswegen gar nicht gut auf unseren Verein zu sprechen war (im Prost am Hannoverschen Bahnhof)

In einem feinen Text hat sich das Lichterkarusseldamit beschäftigt – was die sagen ->>

HSV vs FCSP – wo die Romantik den Unterschied macht, dreckige Sozialromantik

Jolly Rouge am Millerntor
Jolly Rouge am Millerntor

Wenn Bernd Spies und Gernot Stenger ein wenig zur Ruhe kommen, macht sich vielleicht auch bei ihnen die Erkenntnis breit, dass sie es sind, die Sozialromantiker, die den Unterschied ausmachen zwischen Event und Happening.

“Meine größte Angst war immer, dass die linksspießigen Bildungsbürger bei uns, manche mit ähnlichen Mentalitäten gesättigt, unser Stadion zu der studentischen Variante des selben Phänomens werden lassen könnten. Als dann Frau Fegebank des Jollys verwiesen wurde, schöpfte ich erstmals wieder Hoffnung. Als neulich das Stadion so ganz im Licht des Jolly Rouge erstrahlte, da glaubte ich wieder an unsere Crowd. Als ich beim letzten Spiel das „St. Pauli bleibt dreckig!“-Plakat sah, spürte ich kurz Gewissheit.

Man muss das zusammen denken, die Sozialromantiker-Proteste und das, was vom HSV uns auch weiterhin trennt. Das sollten wir uns von den netten unter Rauten ebenso wenig ausreden lassen wie von Teilen des Präsidiums. Ich habe das rote Pappen- und Flaggenmeer als Appell verstanden: „Nee, bitte nicht so werden wie die! Bitte nicht als innerstädtische Eventfläche für Besserverdiener in Austauschbarkeit verrecken!“ DESHALB der Rückbau der Business-Seats. Wir müssen ihn durchsetzen.

Der Mordor-Verein war eben der erste, der den Stadionnamen verscherbelte. Der auf die alles aufsaugende „Mitte“ setzte zum Geld verdienen. Der „Unterhaltungsprogramm“ statt Fussball zelebrierte. Der RTL2-Sound-Beschallungen quälend aus Boxen dringen ließ, um der Popkultur den Garaus zu machen. Der wie jede drittklassige Fernsehsendung auf „Promis“ setzte, die noch Johannes Heesters gleich zu Standing Ovations wie bei „Wetten dass?“ animieren. Nee, bitte nicht. Wir haben keine Promis, wir haben Gerald Asamoah. Weil der zu uns passt. Und wie! Wie eben auch Charles und Schulle und Rothenbach und Naki  undundund …

Lasst uns Rand bleiben statt Mitte werden. Und nie den Rand halten. Und Sonntag gewinnen. St. Pauli will den Derbysieg! Heul doch, HSV! HSV ist heilbar!” schreibt Momo mir aus der Seele – hinein in dieses Wochenende, an dem wir Geschichten vom Derbysieger herbeisingen. Gernot Stenger erlebt das ja mit uns am Millerntor, ohne Business Class und Eventgebimmel. Vielleicht hat er morgen ja seinen romantischen Moment.

Werber auf Sankt Pauli

»Die eine Hälfte meines Herzens schlägt für die Werbung, die andere für meinen Verein. Ich bin der Meinung, dass Werbung im Stadion weder die Überhand gewinnen darf, noch vom Spiel und dem Support unserer Jungs ablenken darf. Auch muss darauf geachtet werden, dass langjährige Fans von der Haupttribüne an den Rand verbannt werden.«
Patrik S. (mit St.-Pauli-Tätowierung) ist Senior-Produktioner in einer Werbeagentur

»All diese Werte können auch bei einer Love Brand wie die des FC. St. Pauli ganz schnell kippen, sobald selbige markenstrategisch geführt und damit kommerzialisiert werden. … Fans sind ja der wichtigste Teil des Markenguthabens. Ich glaube, die St. Pauli Fans wären auch gute Markenstrategen.«
Carl-Frank W. (Brandingexperte)

Alle Zitate aus w&v (“werben und verkaufen”, sic!) – und da sehe ich den Kern des Mißverständnisses: der FCSP ist keine Marke – sondern ein Kulturereignis und wir haben keinen Markenkern der irgendwem “gehört”.

AOMV – Bring it back, Meeske, Stenger, mein St. Pauli und zwar schnell – sonst wird eine Außerordentliche Mitgliederversammlung unvermeidbar

»Man muss die Welle schon surfen, wenn sie ihren Höhepunkt erreicht«

Das war wuchtig am Sonnabend, die Bring it Back St. Pauli Aktion, die das Millerntor-Stadion rot färbte (Film) und dem Präsidium vor Augen, dass aus 4.000 Internetfuzzis eine Bewegung, eine Welle geworden war, die durch das ganze Stadion und die tiefe Fanschaft schwappte. So druckvoll Tsunamis aber auch sind, sie verlieren ihre Kraft über die Dauer. Wenn also nicht bald gehandelt wird von Meeske, Stenger und Co., eigentlich diese Woche (ich meine gelesen zu haben, dass es morgen soweit ist, trifft sich doch das Präsidium mit dem “ständigen Fanausschuss” turnusmäßig, oder wie der auch immer heißt?), wenn hier keine Fakten in Form von belastbaren Zusagen gemacht werden, sehe auch ich eine AOMV als das einzige Mittel, das Aussitzen zu verhindern und den Schwung des Jolly Rouge in Resultate zu überführen.

“Das Präsidium muss sich im Zwist mit den Fans eindeutig positionieren und gleichzeitig Kompromisse finden, sonst droht viel Unruhe, die in eine außerordentliche Mitgliederversammlung und die Abwahl der Bosse münden könnte.” – mutmaßt das Abendblatt nicht zu unrecht. Weiterlesen

Kein Fußball in Susis Showbar

Susis Showbar - Reeperbahn Hamburg
Susis Showbar - Reeperbahn Hamburg
In der Loge von Susis Showbar zog man bei Toren blank und barbusige Damen feierten den Treffer an der Show-Stange, was für einigen Aufruhr beim anti-sexistischen Publikum des Millerntors sorgte (vgl. St. Paulis Susis Showbar Loge am Millerntor – und der Unterschied zwischen Sexismus und Sexyness) Das Millerntor wollte keine Folklore für billige Reize mehr sein und forderte bspw in der Sozialromantiker-Initiative, dass der Vertrag mit Susis Showbar aufgelöst werden solle. Am Sonnabend beim Heimspiel gegen Freiburg waren dann auch eindeutige Banner und Sprüche aus den Fankurven zu lesen. “Susi pack bitte die Brüste ein” oder “Wie spielen bei Dir ja auch keinen Fußball”.

Spät am Samstag abend zog es den Quotenrocker Schmiddel und mich noch über den Kiez, “Bring Back St. Pauli” hatte ein paar Stunden zuvor das Millerntor rot eingefärbt, die Demo war vorbei und wir waren satt gegessen. Also trotteten wir glücklich und ein wenig dun mit der Flagge über der Schulter die Reeperbahn herunter, als wir an Susis Showbar vorbeikamen. “Da war ich noch nie” sagte ich zu Schmiddel, “lass mal sehen, ob man da tatsächlich nicht Fußball spielt”. “Jo”, erwiderte der und da der Türsteher, der da viel zu hochtrabend Portier heißt, uns für Freiburger hielt, standen wir im nu mitten vor der Bühne, auf der eine junge Frau in blauem Licht ein wenig lustlos versuchte lustvoll zu wirken. Wir hatten da noch so viel Lust in uns, dass wir fröhlich den Jolly Rouge schwenten und laut den Shantie des Abends anstimmten: “Bring Back, Bring Back St. Pauli to me”. Eine strenge Dame nach den besten Jahren (auf dem Kiez ist das kurz vor 30) schmiss uns raus, wenn wir nicht das Tischgeld zu zahlen bereit wären. “Wir wollen doch nur Fußball spielen”, meinte Schmiddel wahrheitsgemäß, wurde aber nicht erhört.

Später diskutierten wir noch mit dem Portier über sein Malheur uns nicht als Paulianer erkannt zu haben. Freundlich, wie das unter Nachbarn sich gehört, haben wir ihn und Susi, die sich noch dazu gesellte, darauf hingewiesen, dass wir ihre Mädels nicht mehr am Millerntor nackig-machend sehen möchten. “Fußball spielen ist hier nicht erlaubt” – ergänzte Susi dann noch. “Gut, Trockenficken bei uns auch nicht”, stellte ich noch klar, bevor sie hinter ihrer Tür verschwand.

Schmiddel und ich haben uns dann von einem besonderen Tag getrennt – so lustvoll.

Jolly Rouge – der Film (Youtube)

Ein feines Video hat die Gazetta verlinkt, das die roten Kurven des Millerntor schön eingefangen und mit feiner Musik hinterlegt. Jolly Rouge – der Film sozusagen. (Und hinten in der Nord, rechts von der tollen großen Flagge des Nord-Supports habe ich auch die Flagge meiner Deerns gesehen, wie scheun) – und was macht Ute Orth ihr Sohn? Schweigen, während wir schwelgen. Weiterlesen