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Das Rebellen-Dilemma #JollyRoger

oder “Young Rebels? HarrHarr!”

Jolly Roger Hissflagge
Jolly Roger Hissflagge

“Eine Strafe hier, eine Strafe dort. Das läppert sich zusammen und wird von uns nicht mehr tatenlos hingenommen. Ich erwarte, dass hier ein Umdenken in einigen Bereichen des Stadions und im Umfeld einsetzt. Wenn das nicht ab sofort der Fall ist, werden wir zum Handeln gezwungen“, kündigte er in einer Mitteilung des Vereins Konsequenzen an. “Diese Strafen tun dem Verein verdammt weh und gehen am Ende immer zu Lasten von uns allen. Es ist ein Punkt erreicht, an dem sich alle, die den FC St. Pauli ins Herz geschlossen haben, fragen müssen, ob wir wirklich so weitermachen wollen.” Der Präsident weiß um die Situation des Vereins: “Allen sollte bewusst sein, dass wir uns auf dem Präsentierteller befinden und jede noch so kleine Verfehlung spürbare Konsequenzen für den Verein zur Folge hat.”

Ich zitiere hier das Hamburger Abendblatt einmal länger, auch weil es selbst aus lauter Zitaten besteht. Und eigentlich musste ich als erstes einmal laut lachen: “50 Pfennig hier, 50 Pfennig da, da kommt einiges zusammen”, legte sich mir doch ein Otto Waalkes Sketch über das Gesagte unseres Präsidenten – und tatsächlich, klingt dieses Statement ein wenig lächerlich. Diese Aneinanderreihung von Worthülsen, wilheminischer Großväter und bayrischer Innenminister würdig, sollen dem Boulevard (mit dem hat sich MFC auseinander gesetzt) signalisieren: Wir setzen jetzt mal ein Zeichen, wir, das Präsidium sagen Basta. – Aber zu wem? Weiterlesen

Braunschweiger Polizei dreht eine Eskalationsstufe weiter: Öffentlichkeitsfahndung nach Pyro-Einsatz #Fortuna

“Chaoten”, der neue Kampfbegriff des Spießbürgertums, werden von der Polizei Braunschweig öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Der Vorwurf: Durch den “illegalen” Einsatz von Pyrotechnik hätten sich die Fans von Fortuna Düsseldorf „schwerer Gefährdung durch Freisetzen von Giften“ (Quelle: Express) schuldig gemacht. Die Exekutive dreht die Schraube ein Zahnrad weiter – ein imho unerträglicher Vorgang. Weiterlesen

Schwule Antifa Module aller Vereine vereinigt euch

Beim Spiel des deutschen Meisters BVB Dortmund gegen Werder Bremen manifestiert sich das tiefdumpfe, stinkend dumme und menschenfeindliche Wesen tonangebender Dortmund Fans in schwer homophonen Transparenten. Das ist schlimm. Noch schlimmer ist es allerdings, dass die (mediale) Öffentlichkeit diese an Volksverhetzung grenzende Aktion nicht einmal diskutieren will. Im ZDF Sportstudio rang sich Moderator Steinbrecher eine verschwurbelte Stellungnahme ab, nach der man diese Banner nicht zeigen wolle, um den Chaoten kein Forum geben zu können. Wahrscheinlich hatte kein Kameramann draufgehalten, weil kein Pyro dazu abgefackelt wurde.

Dabei ist das Thema dringend zu diskutieren:

“Lieber ne Gruppe in der Kritik, als Lutschertum und Homofick”; und auf einem angeblich weiteren Banner: “Gutmenschen, Schwuchtel, Alerta-Aktivist, wir haben euch im ›20 gegen 100‹ gezeigt, was Fußball ist.” (via Pottblog)

Das bedeutet zweierlei. Zum einen, dass der betroffene Verein, der BVB, ein Naziproblem unter seinen Fans hat, und dass diese Menschenverächter echte Dortmunder Fans sind. Ähnlich, wie in Aachen hilft es da nur den Grundgesetzfeinden in der Kurve, wenn der Verein nicht auch politisch Stellung bezieht. Mit klaren Aussagen und Unterstützung der lokalen Fan- und Ultragruppen, die sich – auch politisch – eindeutig positionieren.

Man kann da von Werder Bremen eine Menge lernen in Dortmund. Vor allem, dass man in vielen Ultrabewegungen Verbündete findet, wenn der deutsche Fussball endlich begreift, dass die Bundesliga eine politische Dimension hat, und die Vereine die Verantwortung tragen.

Seit einiger Zeit diskutiere ich immer wieder beim Mittagessen im Ofeuer, wie sich die Hetero-Mehrheitsfraktion in den Kurven, vornehmlich in unserer, eindeutig positionieren kann. Die Idee, mit Fummel in die Kurve zu gehen, finde ich schonmal super. Aber letztlich egal wie, Hauptsache wir Fans nehmen es nun in die Hand: macht die Kurven bunt, seien wir mal schwul beim Buffen.

Quo Vadis Sankt Pauli? #Rassismus und #Sexismus im eigenen Block. Schlimm! – und nu?

Ich habe mich ja schon in einem Kommentar zu meinem Kommentar zum Ingolstadt-Spiel bei allen bayrischen St. Paulianer_innen entschuldigt, dass ich laut darüber nachgedacht habe, dass gerade in der bayrischen Provinz allerlei Gestalten in unserem Block rummachen, die so gar nicht “St. Pauli like” sind. Inzwischen, nach ein wenig Nachdenken, meine ich auch gar nicht mehr, dass wir mit den “St. Pauli Sympathisanten” in unserem Block ausgerechnet in Bayern mehr Ärger haben, als am Millerntor, in einem Gästeblock fällt es nur mehr auf.

Im Gästeblock ganz gute Stimmung und wenn mal nicht, dann sorgte T. Als Vorsänger mit einer persönlichen Ansprache der Marke Blick-Zeichen-Klarmachen für’s Mitmachen. Nur was bitte hatte sich da teilweise für Volk versammelt? Neben einem nicht ganz unbekannten Fanclub gab es von irgendwelchen Rassistenschweinen wirklich Affenlaute gegen einen farbigen Spieler von Ingolstadt. Die sofort eingeleitete Selbsthilfe wäre beinah noch in einem Konflikt mit den Ordnungshütern geendet. Das ist das doofe, wenn man solchen Typen das gibt, was die verdienen, nämlich ohne weitere Vorwarnung Fresse dick, dann bekommt man noch den Ärger und nicht diese Dummheit auf zwei Beinen. Zum Glück machten sich wenigstens Leute gerade, auch wenn die Freunde des Idioten natürlich wieder die „Ich bin kein Rassist, aber…“ Verteidigung zum Besten gab. Idioten. Auch aus anderen Bereichen hörte man ganz üble Geschichten (Arschlochrufe, Sexismus gegen Frauen etc. etc. etc.) und man muss sich dann doch mal fragen, ob das Versenden von Tickets in aller Herrgottsrichtung so wirklich der richtige Vertriebsweg ist. Eine ausschließliche Abgabe an bekannte Personen sollte wirklich mal überlegt werden. Auch wenn man dann weniger Kohle macht. – lese ich beim magischerFC Blog

Rassistische Rufe, sexistische Anmachen und das in unserem Block, das ist wirklich schlimm. Aber ist das ein Auswärtsproblem? In der Wahrnehmung sicher, also in der Wahrnehmung der meisten von uns (weißen, männlichen Heten – Gegengerade-, Süd- oder Nordsteher). Das stimmt aber nicht ganz. Nur ein Zufall, dass der Pfaffe, der auf der Abendveranstaltung im Ballsaal unwidersprochen homophobe Papst-Statements von sich geben durfte, auch aus Bayern kam? Immerhin war der eingeladen.

Wie kann St. Pauli, und unseren Auswärtsblock sehe ich da, ganz in der Tradition von diplomatischen Vertretungen als unser Territorium an, zu einem Safe Place werden? Geht das überhaupt, solange unser Präsidium diese “Millionen Sympathisanten” als Marketing-Zielgruppe für Tickets, Business und andere Seats oder Anleihen umwirbt, hier aber eine Fanschaft entsteht (Stengersche Sympathisanten), die für nix mehr einsteht, was St. Pauli ausmacht? Und was machen wir, die wir uns den Jolly Rouge auf die Fahnen malen?

Ich habe auch keine leichten Antworten, sondern eigentlich nur Fragen anzubieten.

Im Forum habe ich heute mal wieder die Transphobie-Diskussion mit dem Übersteiger nachgelesen (hatte einen anderen Hintergrund). Diamondback schreibt dort sinngemäß, dass das Millerntor kein Safe Place für Schwule und schwarze Frauen ist, aber auch keiner für Homophobe und Rassisten – Immerhin. Das ist wohl die Basis, die wir uns erarbeitet haben – und nu stellt sich die Frage, wie wir nun weitergehen. Nun auf die Auswärtsfans zu zeigen, greift auf jeden Fall zu kurz (da fasse ich mir an die eigene Nase).

Von einem closed shop, also der Ausgabe von Karten an “ausschließlich bekannte Personen”  halte ich auch nicht viel. Wohl aber von dem Versuch, auswärts sichtbar als schwul, schwarz, weiblich aufzutreten. Vielleicht kriegt man ja unser Präsidium dazu, Kontingente für Minderheiten unter unseren Mitgliedern freizuschaufeln oder die Quotendiskussion wiederzubeleben. Ein Auswärtsblock in Fummel? Oder eine Nord voller PoC, oder eine Gegengerade im Rock? Das wäre mal ein romantisches Statement!

Mit Slogans wie „Wir sind schwule Antifa-Module“ ist der Grundstein für ein St. Pauli, das sich als Fortschreiben der eigenen Geschichte versteht, anstatt nur noch auf sportlichen Erfolg zu setzen und aufgrund dessen Spieler zu beschimpfen, schon mal gelegt. …>

Integration in eine pluralistische Gesellschaft – Quo Vadis Sankt Pauli?

Ich würde wetten, dass 95% der Leser_innen, die diesen Text für eine Polemik halten, weiß sind.

Fassen wir zusammen: Millionen von Weißen Deutschen verweigern die Integration in eine pluralistische Gesellschaft, durch eine christlich geprägte Kultur tendieren Weiße Deutsche überproportional dazu, als soziale Akteur_innen in pluralistischen Räumen diskriminierend zu agieren.

… besonders der Aspekt des Festhaltens an “christlichen Mythen”, sollte in uns allen, die wir am Montag am Radio oder am Millerntor die Diskussion “Warum bist Du bei Sankt Pauli” mitverfolgt oder geführt haben, einen Nachhall verursachen …

Pyro-Fan-Gewalt-Debatte: Dynamo Dresden gibt Gästekarten-Kontingent zurück – “Gästeblock, Gästeblock” …

Die SG Dynamo Dresden (wird) auf das komplette Gästekartenkontingent für das Auswärtsspiel des 16. Spieltages beim FC St. Pauli, am 27. November 2011, verzichten und den gesamten Gästeblock für die Fans der gastgebenden Mannschaft zur Verfügung stellen. Außerdem werden die Verantwortungsträger der SGD den FC St. Pauli bei der sicherheitstechnischen bzw. organisatorischen Umsetzung dieser Maßnahme vor Ort am Millerntor in Hamburg unterstützen und für mögliche, daraus resultierende finanzielle Verluste entschädigen. Über diesen freiwilligen Verzicht wurden sowohl der Deutsche Fußball-Bund, im Zuge der Stellungnahme zu den Vorkommnissen in Dortmund, als auch der FC St. Pauli am vergangenen Freitag vorab informiert.

… lese ich auf der Website von Dynamo Dresden und mir wächst ein Kloß im Hals und einer im Bauch. Das ist also die Folge einer Debatte, die selten undifferenziert Pyros und Gewalt-bereite Fans (vor dem Spiel in Auseinandersetzung mit ggf. ebenfalls Gewalt-bereiten Polizeibeamten) durchlauferhitzt zu einer Stimmung, in der sich Fußballfans in mediale Geiselhaft genommen fühlen dürfen (Schöner Text bei schwarz-gelb dazu). Andererseits, das habe auch ich immer wieder gefordert, dass sich die Vereine die Probleme mit ihren Fans zu eigen machen, als ersten Schritt hin zu irgendeiner Entwicklung – und das macht Dynamo Dresden nun. Treibt die Konsequenzen auf die Spitze. Ist das der Beghinn vom Ende der Auswärtsfahrt?

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Nun, die Pyrodebatte können wir gerne führen. Ich bin da sowohl bei den Ultras, die dieses Stilmittel einsetzen wollen, als auch bei den Befürwortern einer gesonderten Abbbrennzone, und erwarte vom DFB, dass er in Fragen der Versicherung solcher Choreos nicht den einfachsten Weg geht, sie zu verbieten, mithilfe von doofen Medien zu skandalisieren, ihre Benutzer zu kriminalisieren und eine ganze Gruppe von Menschen zu gängeln. …

-> weiterführende Infos dazu bei Stadionwelt, Kampagne Pro Pyros, Pyro-kritische Argumente finden sich bei Santa-Pauli
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Nun wird der Gästeblock also noch leerer sein, was Gäste-Fans angeht, als der von Rostock seinerzeit oder der des FSV beim letzten Heimsieg. Und wir sollten uns etwas ausdenken, was wir als Beitrag zu Debatte beitragen können. Wechselgesänge mit dem “Gästeblock” vielleicht. Nicht für oder gegen ein Team, sondern solidarisch mit den Nicht-eingeladenen Dresdnern.

“Fans”

so genannte – ein Wutartikel im Übersteiger:

Da beschwört der Hamburger Blätterwald vor beiden Derbys aberwitzigste Gewaltphantasien herbei und ist dann nahezu enttäuscht, als fast nichts passiert. Gleiches lässt sich aktuell außerhalb des Fußballs auch bei den (na sowas) ausgebliebenen Krawallen rund um den 1.Mai in Hamburg und Berlin betrachten, man könnte fast meinen es täte den Journalisten leid dass es so wenig Verletzte gab.

Wenn Fans zu “Fans” werden

FCSP Fans Championsleague-reif

Platz drei der FANartisch-Tabelle von 11Freunde, das bedeutet europäischer Wettbewerb in der nächsten Saison. Was auch nichts Neues sein dürfte (Stichwort Griechenland, Celtic, UK, New York) – da muss man sich nur mal die Zusammensetzung unserer Facebook-Fanpage ansehen.

Die Bundesliga hatte 2010 Glück mit den beiden Aufsteigern: St. Pauli- und FCK-Fans gehören in jeder Liga zum Leidenschaftlichsten und Besten, was Fußball-Support in Deutschland zu bieten hat, und auch die Aufstiegsfeiern auf St. Pauli und in Kaiserslautern hielten, was Euphorie und Emotionen versprachen. Und was können die engagiertesten Fans und Ultras des FC St. Pauli dafür, dass das Stadion am Millerntor mit dem Umbau auch die young & rich urban Erfolgsfans in die neuen VIP-Logen des gentrifizierten Hamburger Stadtteils spült. Da bleibt der Kuchenblock der Tribüne schon mal länger in der Halbzeitpause, das ist ja im Zweifel nur Fußball, was man da auf den pofreundlich angewärmten Sitzplätzen verpasst.

Die FANartisch-Tabelle 2010:
1. BVB – Borussia Dortmund
2. SGE – Eintracht Frankfurt
3. FC St. Pauli
4. FCK – 1. FC Kaiserslautern
5. HSV – Hamburger SV
6. Effzeh – 1. FC Köln
7. Glubb – 1. FC Nürnberg
8. FSV Mainz 05
9. S04 – FC Schalke 04
10. H96 – Hannover 96
11. BMG – Borussia M’gladbach
12. FCB – FC Bayern München
13. VfB Stuttgart
14. SC Freiburg
15. Werder Bremen
16. Bayer Leverkusen
17. VfL Wolfsburg
18. “1899? – TSG Hoffenheim

Weiß, Männlich, ü40, Schanze, Galaotrinker = St. Pauli Fan – Migrant, Männlich, u30, Neugraben (vorm. St. Pauli) = Underdog

Sieht man sich in den Stehbereichen am Millerntor um, oder ließ auf der JHV seinen Blick durch die Reihen schweifen, dann kann man festhalten: der durchschnittliche St. Pauli Fan und Millerntorbesucher ist über 35, weiß, männlich, in der Regel hetero und links bis linksliberal eingestellt und angezogen. So richtige “Underdogs” kann ich da nicht mehr entdecken, höchtens welche, die in die Jahre gekommen sind, und viele, die über das älter werden auch nur noch Spuren von Punk mit sich herumtragen, wie die GG-Dauerkarte beispielsweise. Ich schließe mich da mit ein in diese Beschreibung, wenn ich darüber nachdenke, wohin wir denn das kulturelle Erbe von St. Pauli, um das wir Sozialromantiker denn auch gerade wieder kämpfen, tradieren wollen. Underdogs sind die meisten von uns doch gar nicht mehr, die finden sich heute mit
Migrationshintergrund und immer weniger auf St. Pauli.
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St. Pauli Tickets tauschen und für den Fanladen/Fanräume/Viva Con Agua spenden

Seit einiger Zeit bürgert sich bei mir im Dunstkreis eine Tauschkultur ein, die mir ganz gut gefällt. Zuerst war mir das beim Auswärtsspiel gegen Stuttgart passiert, dass am Altonaer Bahnhof mir jemand eine Stahplatzkarte in die Hand drückte, mit der Bitte sie vor Ort (in Stuttgart) zu verkaufen. Den Erlös solle ich doch bitte spenden, an Fanräume, den Fanladen oder Viva Con Agua. Das fand ich eine gute Idee.

Als ich am vergangenen Freitag die Sitzplatz-Premiere auf der neuen Haupttribüne feiern konnte, hatte ich mit P.-A., der mir die Karte überließ eine ähnliche Abmachung. Meine Stehplatzkarte fand dann einen fröhlichen Abnehmer, der dasselbe tun wollte, seinen Ticketpreis für den Fanladen spenden.

Et voila:

Wenn man nun wegen der zu teuren Eintrittspreise, das Derby gegen den HSV am Millerntor organisiert, dann fände ich eine Spende an die o.g. Organisationen eine vielversprechende Idee – absolut unterstützenswert!